Das Verkehrsmuseum Dresden hat einen prominenten Neuzugang in seiner Sammlung: einen MELKUS RS 1000, den einzigen in Serie gebauten Sportwagen der DDR – made in Dresden. Von dem Fahrzeug wurden zwischen 1969 und 1979 nur 101 Stück gebaut. Das Verkehrsmuseum hatte die einmalige Gelegenheit, mit der Nr. 31 ein Exemplar von der Familie Melkus zu erwerben, das weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Das Fahrzeug ist noch bis 21. Juni 2026 im Verkehrsmuseum zu sehen, ab Frühjahr 2027 dann dauerhaft in einer in Teilen überarbeiteten Dauerausstellung „Straßenverkehr“

Melkus RS1000  Foto: René GaensMelkus RS1000 Foto: René Gaens

Mit dem MELKUS RS 1000 schließen wir eine Sammlungslücke, die uns lange geschmerzt hat“, erklärt Dr. Michael Vogt, Direktor des Verkehrsmuseums. „Er verkörpert die ambivalente Verbindung von technischem Pioniergeist und den systembedingten Grenzen der DDR-Mangelwirtschaft. So lassen sich mit dem MELKUS sowohl DDR-Automobil- und Rennsportgeschichte als auch Design- und Wirtschaftsgeschichte anschaulich vermitteln.“

Der Gesamtpreis des MELKUS RS 1000 liegt bei 115.000 Euro. Möglich wurde der Kauf dank der Förderung durch die Kulturstiftung der Länder, der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, der Volker-Homann-Stiftung und des Fördervereins des Verkehrsmuseums. Mitfinanziert wurde der MELKUS RS 1000 zudem durch Spenden, die mithilfe einer Kampagne auf 99Funken.de der Ostsächsischen Sparkasse Dresden gesammelt wurden. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden verdoppelte die ersten eingegangenen 5.000 Euro an Spendengeldern.

Melkus RS1000  Foto: René GaensMelkus RS1000 Foto: René Gaens

„Der Erwerb des Melkus ist ein Gemeinschaftsprojekt“, so Museumsdirektor Vogt. „Wir sind sehr dankbar und stolz, dass wir sowohl wichtige Partner zur Förderung dieses Projekts als auch viele private Spenderinnen und Spender, darunter viele Dresdner, gewinnen konnten, die uns mit Beträgen zwischen 5 und 1.000 Euro unterstützt haben.“

Einen wesentlichen Beitrag zum Erwerb des Melkus leistete die Kulturstiftung der Länder. Dazu erklärt Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Wir freuen uns sehr, dass wir das Verkehrsmuseum Dresden bei diesem seit Langem angestrebten Ankauf unterstützen konnten. Der MELKUS RS 1000 steht für den Erfindungsreichtum und die Kreativität, mit denen in der DDR auf schwierige wirtschaftliche Bedingungen reagiert wurde. Als Ikone der DDR-Mobilitäts- und Alltagskultur erzählt er von den Hoffnungen, Sehnsüchten und technischen Ambitionen seiner Zeit. Mit dieser Erwerbung wird ein wichtiges und seltenes Zeugnis der ostdeutschen Zeitgeschichte auch für künftige Generationen im Museum erfahrbar gemacht.“

Melkus RS1000  Foto: René GaensMelkus RS1000 Foto: René Gaens

Katja Margarethe Mieth, Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sagt: „Mit dem MELKUS RS1000 wird das Verkehrsmuseum seinen Gästen ein herausragendes Objekt der ostdeutschen Design- und Technikgeschichte in seinen Bezügen zu Politik, Ökonomie und Sport präsentieren können, das zudem in unmittelbarer Verbindung zu Dresden steht. Der Wagen steht für ein außergewöhnliches Kapitel in der Geschichte des Automobilbaus der DDR, geprägt durch ökonomische Zwänge, aber auch durch Eigeninitiative, technisches Know-how und Erfindungsreichtum.

Für die ebenfalls als Förderer auftretende Volker-Homann-Stiftung erklärt Christel Adler: „Es ist uns eine Freude, zum Erwerb dieses besonderen Stücks Automobilgeschichte beigetragen zu haben. Der MELKUS RS 1000 ist ein Symbol ostdeutscher Fahrzeugentwicklung und Konstrukteursarbeit. Er verdient einen festen Platz im Verkehrsmuseum Dresden.

Melkus RS1000  Foto: René GaensMelkus RS1000 Foto: René Gaens

„Der MELKUS RS 1000 ist ein Stück Dresdner Industrie-, Design- und Sportgeschichte“, sagt Annekatrin Klepsch, Bürgermeisterin für Kultur, Wissenschaft und Tourismus und Aufsichtsratsvorsitzende des Museums. „Er steht exemplarisch für Innovationsgeist und Kreativität unter schwierigen Bedingungen. Dass dieses außergewöhnliche Fahrzeug nun dauerhaft Teil der Sammlung des Verkehrsmuseums ist, dafür danke ich der zahlreichen finanziellen Unterstützung von Stiftungen, Förderern sowie Spenderinnen und Spendern.“,

Die Entwicklung und der Bau des MELKUS RS 1000 waren das Ergebnis einer Arbeitsgemeinschaft bestehend u.a. aus den Werkstattmitarbeitern des Dresdner Rennfahrers Heinz Melkus, Ingenieuren der TU Dresden, Technikern aus dem Automobilwerk Eisenach und Designern der Kunsthochschule Berlin‑Weißensee. Mit entscheidend dafür, dass der MELKUS RS 1000 unter den widrigen Umständen der DDR-Wirtschaft gebaut werden konnte, war die langjährige Rennsport-Erfahrung einschließlich der Kenntnisse in Bau und Konstruktion von Rennwagen von Heinz Melkus (*1928, † 2005 in Dresden), der zugleich Eigentümer einer privaten Fahrschule war. Seine Fahrzeuge waren bereits in den 1950er Jahren im Rennsport erfolgreich. Das dort gewonnene Wissen floss in die RS 1000-Konstruktion ein.

Melkus RS1000  Foto: René GaensMelkus RS1000 Foto: René Gaens

Mit seiner flachen Form, Flügeltüren und den geschwungenen Kotflügeln erinnerte der MELKUS RS 1000 an westliche Vorbilder wie Ferrari und Lotus. Folgerichtig war der straßengängige Rennwagen unter den vielen Trabis und Wartburgs, die zu jener Zeit die Straßen der DDR befuhren, eine Sensation.

Quelle: Verkehrsmuseum Dresden