Die jährliche Urlaubsreise ist für viele von uns ein festes Ritual, ein fixer Bestandteil unseres Lebensstils. Fragt man nach den Gründen, erhoffen sich die meisten Abstand vom Alltag. Viele suchen Erholung. Andere versprechen sich einzigartige Erlebnisse, wollen Neues kennenlernen oder den Horizont erweitern. Doch steckt noch mehr hinter unserem alljährlichen Wunsch, eine begrenzte Zeit außerhalb des eigenen Zuhauses zu verbringen? Warum reisen wir eigentlich? Dieser Frage geht ab 29.5.2026 die Ausstellung „Reif für die Insel – Warum wir reisen“ im Verkehrsmuseum Dresden nach.

Verkehrsmuseum DD Imageshooting Reif für die Insel Foto: © PR/neo3 GmbHVerkehrsmuseum DD Imageshooting Reif für die Insel Foto: © PR/neo3 GmbH

Die Besucherinnen und Besucher durchlaufen beim Gang durch die Ausstellung die typischen Stadien einer Reise: Vorbereitung, Aufbruch, Unterwegs-Sein, Dort-Sein und Heimkehr. Anhand von Exponaten, Fotografien sowie medialen und interaktiven Stationen werden Rückblicke in die Geschichte des Tourismus, gegenwärtige Fragestellungen und persönliche Urlaubserfahrungen miteinander verknüpft: Die Ausstellung thematisiert die Entstehung des Tourismus, die Rolle von Eisenbahn, Automobil und Flugzeug und die Veränderung der Reisewahrnehmung, die Inszenierung des Pittoresken und die Bilder, die wir von der Fremde mitbringen oder dorthin senden. Es geht um Freiheit und Sehnsucht genauso wie um Ökonomie und die Folgen des Tourismus.

Die Ausstellung verbindet Wissenswertes mit Erlebnis-Spots: So können die Besucherinnen und Besucher beispielsweise in das Dachzelt eines Trabis klettern, sich in Hängematten bei einer lauen Sommerbrise an den perfekten Urlaubsort träumen oder beim XXL-Memory herausfinden, wie sich Urlaubsorte in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. In der Ausstellung sind außerdem Koffer verteilt, die als Mitmach-Stationen dienen. Hier lässt sich beispielsweise ein Urlaubsfoto „faken“ oder beim Koffer-Tetris testen, wie smart man packen kann..

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Einführung:
Die touristische Reise, als eine Reise ohne konkreten Zweck, kam im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Mode. Es dauerte ein weiteres Jahrhundert, bis aus dem Privileg einer kleinen Schicht Begünstigter ein Massenphänomen wurde, ein als selbstverständlich akzeptiertes Kennzeichen unserer Zeit. Zuvor als unwirtlich empfundene Gegenden wie das Meer und das Hochgebirge wurden zu Sehnsuchtsorten, die Freiheit von den Zwängen der Gesellschaft versprachen.

Aber wonach entscheiden wir, wohin uns unsere Reise führen soll? Bereits im 18. Jahrhundert spielten Bilder sowie mündliche und schriftliche Erzählungen für die Popularität einzelner Reiseziele eine entscheidende Rolle. Heute wirkt eine Vielzahl von Medien auf uns, von Zeitschriften über Reiseblogs bis zu TikTok und Instagram. Auch die Klagen über die Blindheit und Voreingenommenheit der Touristen haben Tradition und sind beinahe so alt wie das touristische Reisen selbst. 

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Im Kapitel zum Unterwegs-Sein wird deutlich, wie sehr sich die Verkehrsmittel und das touristische Reisen bedingten. Dies wird u. a. am Beispiel der Müglitztalbahn dargestellt. Mit dem Bau der Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts begann der Wintersport im Erzgebirge zu florieren. Das schneesichere Altenberg wurde zum Reiseziel für Menschen aus Dresden, Berlin und Hamburg. Für ganz Deutschland galt: Zusätzlich zu den Bahnlinien entstand ein dichtes Netz an Straßen. Die wachsende Zahl an Autos wiederum garantierte immer mehr Menschen selbstbestimmte Urlaubsreisen. Mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur reduzierten sich die Reisezeiten, Distanzen schrumpften. 

Heute reisen weltweit so viele Menschen wie nie zuvor. Das hat zur Folge, dass bisweilen ganze Volkswirtschaften vom Tourismus abhängen – mit allen positiven wie negativen Konsequenzen für die Einheimischen. Die Branche schafft Arbeitsplätze und sichert Einnahmen. Gleichzeitig verteuert der Tourismus oft die Lebenshaltungskosten für die Einheimischen, verknappt Wohnraum und belastet die Umwelt. Dies führt zu Konflikten zwischen Touristen und Einheimischen, wie anhand von Beispielen aus Barcelona und Mallorca gezeigt wird. Die Ausstellung wirft Fragen auf wie: Was braucht es, um Tourismus gerecht zu gestalten? Und wie können wir in Zukunft reisen? 

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Zur touristischen Reise gehört auch die Heimkehr. Schon von unterwegs haben wir unsere temporäre Identität als Reisende mit Fotos und Nachrichten an Freunde und Familie belegt. Aber was teilen wir damit eigentlich mit, was steckt dahinter? Mit Hilfe von Souvenirs, Bildern und Erzählungen wollen wir uns die Erinnerung an den Urlaub bewahren. Aber ist da noch mehr, das bleibt? Kehren wir denn als diejenigen zurück, als die wir aufgebrochen sind? 

In der Ausstellung finden sich immer wieder überraschende, spannende Fakten: Wer hätte beispielsweise gewusst, dass der Jemen das Land mit den meisten bezahlten Urlaubs- und Feiertagen (46 Stück) ist? Oder dass wohl 1963 erstmals auf einer Autobahn das Phänomen Stau beobachtet wurde? Oder dass auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 6“ durchschnittlich 2.800 Eier pro Tag an die rund 3.500 Passagiere und Crew-Mitglieder „verfüttert“ werden?

Quelle: erkehrsmuseum Dresden gGmbH