Das Modellprojekt „Klimawandel in historischen Gärten“ geht nach vier Jahren erfolgreich zu Ende. 3 Millionen Euro Fördermittel vom Bund wurden in Forschung und gezielte, innovative Maßnahmen zum Erhalt denkmalgeschützter Parkanlagen investiert.

Anzuchtfläche Schloss Moritzburg © Schlösserland SachsenAnzuchtfläche Schloss Moritzburg © Schlösserland Sachsen

Die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) hat das Projekt „Klimawandel in historischen Gärten“ erfolgreich abgeschlossen. Mit dem übergeordneten Ziel, historische Parkanlagen an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und langfristig sowohl ökologisch als auch denkmalpflegerisch zu bewahren, wurden in dem Modellprojekt Maßnahmen für den Großen Garten Dresden und den Schlosspark Pillnitz entwickelt. Das Projekt war mit insgesamt 3 Millionen Euro über Fördermittel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und Eigenmitteln des Freistaates Sachsen in Höhe von ca. 330.000 Euro finanziert worden und lief seit 2022. Die drei zentralen Module beschäftigten sich mit „Boden-Wasser-Baum“, „Robotik“ und „Kommunikation“. Letzte Mittel flossen in die Baumpflanzung auf dem Schmuckplatz im Großen Garten. „Wir sind dankbar für die großzügige Förderung, das Wissen und Engagement der vielen Fachkollegen und Partner, die an dem Projekt mitgewirkt haben. Die Erkenntnisse des Projekts sind für unsere Gartenanlagen ein großer Gewinn. Viele Maßnahmen zeigen bereits Wirkung, das ist großartig und motiviert uns, sie fortzusetzen.“, sagt Dr. Christian Striefler, Geschäftsführer der SBG gGmbH.

Einweihung der Baumschule im Großen Garten © Schlösserland SachsenEinweihung der Baumschule im Großen Garten © Schlösserland Sachsen

Wichtige Erfolge: Baumschule, Brunnen, Pflanzenkohleanlage
Im Rahmen des Moduls „Boden-Wasser-Baum“, wurde eine Baumschule im Großen Garten und eine Gehölzanzuchtfläche in Pillnitz eingerichtet. Die dort angezogenen, klimaangepassten und resilienten Bäume haben bessere Anwuchschancen. Im Großen Garten wurde zudem eine Pflanzenkohleanlage installiert. Gehäckselte Resthölzer werden zukünftig vor Ort verwertet, die Bodenqualität nachhaltig verbessert und CO₂ langfristig gebunden. Die Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen des Bodens (Bodenproben) sowie der Gehölze (Blatt- und Nadelproben) helfen dabei, die Böden gezielt zu verbessern z.B. durch Substrate, Belüftung oder den Einsatz tiefwurzelnder Pflanzen zur Auflockerung. Auf Grundlage der Forschung hat sich die gärtnerische Praxis bei SBG verändert. Jetzt wird bei Neupflanzungen Pflanzenkohle verwendet und klein gepflanzt, um die Klimaresilienz zu stärken und das Wurzelwachstum junger Gehölze auszunutzen. In Pillnitz wurden zwei Brauchwasserbrunnen gebaut, die die Wasserversorgung in Trockenperioden absichern. Über Fördermittel wurden Bäume und Sträucher gekauft und nachgepflanzt, die zum Erhalt der Gartendenkmale beitragen.

Gießroboter "Gießbert" und "Gießela" im Testbetrieb im Schlosspark Pillnitz © Jan GutzeitGießroboter "Gießbert" und "Gießela" im Testbetrieb im Schlosspark Pillnitz © Jan Gutzeit

Partner gesucht! Gießroboter braucht industriellen Projektpartner
Im Modul „Robotik“ wurde der Prototyp eines halbautonomen Gießroboters für den Schlosspark Pillnitz entwickelt. Die Barkhausen Institut gGmbH und die TU Dresden stellten sich der Herausforderung, das Gartenteam bei der körperlich anstrengenden und zeitintensiven Bewässerung der 500 Kübelpflanzen zu entlasten. Nach erfolgreicher Konzeption und Bau von zwei Gießrobotern, gab es umfangreiche Praxistests mit dem Gärtnerteam. Damit „Gießbert“ und „Gießela“ bald auch täglich im Gartendenkmal unterwegs sein können, braucht es einen passenden Partner. Gesucht wird ein Partner, der den Prototypen für den dauerhaften Einsatz weiterentwickelt, ihn zertifizierten lässt und zur Serienreife bringt. Historische Parkanlagen in ganz Deutschland haben die bisherige Entwicklung verfolgt und Interesse an dem serienreifen Produkt signalisiert. Interessenten melden sich bitte unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Das Modul „Kommunikation“ begleitete das Projekt kontinuierlich. Mit einer Wanderausstellung, Fachpublikationen, Veranstaltungen und zielgruppenspezifischen Führungen wurde die Öffentlichkeit umfassend über die Auswirkungen des Klimawandels informiert. Besonders erfolgreich waren Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, die auch über das Projektende hinaus fortgeführt werden.

Schattiergerüst Anzuchtfläche Pillnitz © Schlösserland SachsenSchattiergerüst Anzuchtfläche Pillnitz © Schlösserland Sachsen

Wir kämpfen weiter gegen die Auswirkungen des Klimawandels
Das Projekt wurde initiiert, um den zunehmenden klimabedingten Belastungen und deren Auswirkungen auf historische Parkanlagen begegnen zu können. Trockenheit, steigende Temperaturen, anhaltende Hitze, sinkende Niederschläge, sinkende Grundwasserstände und zunehmende Starkwetterereignisse schwächen den Altbaumbestand. Ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen werden die oft hunderte Jahre alten, denkmalgeschützten Anlagen nicht mehr zu retten sein. Ziel des Projekts war es daher, wissenschaftliche Grundlagen zu verbessern, innovative Maßnahmen zu entwickeln und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung zu leisten. Alle diese Ziele wurden erreicht, tragen langfristig zum Erhalt der historischen Gärten bei und sind auf andere Anlagen in Sachsen bzw. darüber hinaus übertragbar. Die SBG wird die begonnenen Maßnahmen weiterführen und ausbauen. Weitere Pflanzungen klimaangepasster Gehölze sind in Vorbereitung. Die Änderungen der gärtnerischen Praxis festigen sich im Team. Auch die entwickelten Bildungs- und Vermittlungsangebote werden fortgesetzt. Die Erkenntnisse fließen in eine deutschlandweite Projektforschung der Fachgruppe Gärten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen ein. Ziel bleibt es, die historischen Gärten nachhaltig zu bewahren und gleichzeitig ihre Bedeutung für Gesellschaft, Klima und Biodiversität zu stärken.

Quelle: Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH