Die vier beauftragten Planungsbüros haben am Dienstag ihre Entwürfe für die neue Carolabrücke eingereicht und erstmals dem Begleitgremium vorgestellt. Damit geht der Planungsprozess für den Ersatzneubau in die nächste Phase.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Dresden will diese wichtige Elbquerung möglichst schnell und als leistungsfähige wie auch attraktive Brücke wiederherstellen. Deshalb haben wir einen ungewöhnlichen Weg beschritten und vier Planungsbüros parallel beauftragt. Nun gilt es die beste Lösung für diese neuralgische Stelle in der Altstadt zu finden. Ich lade alle Dresdnerinnen und Dresdner ein, am 13. Juni zum Offenen Rathaus ins Stadtforum zu kommen, wo die Entwürfe erstmals öffentlich präsentiert werden und die Diskussion in der Stadtgesellschaft startet.“
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Stephan Kühn, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften ergänzt: „Die vier Entwürfe werden von den Dresdnerinnen und Dresdnern, den Mitgliedern des Stadtrates und des Begleitgremiums und auch den Fachexperten intensiv diskutiert werden. Wir haben die Beteiligungsmöglichkeiten am Entscheidungsprozess mit Absicht so umfangreich angelegt, damit am Ende die Gestalt des Ersatzneubaus auch möglichst breit von der Stadtgesellschaft getragen wird. So gestalten wir bewusst ein Stück lebendige Demokratie.“
In den vergangenen sechs Monaten arbeiteten die Planungsbüros unter hohem Zeitdruck an den Entwürfen. Grundlage war die Aufgabenstellung des Stadtrates. Sie legte die wesentlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen für die neue Brücke fest.
Zu jedem Entwurf wurden drei Visualisierungen eingereicht. Sie zeigen unterschiedliche Perspektiven und Gestaltungsansätze. Bereits diese ersten Ansichten machen deutlich, wie unterschiedlich die Konzepte für die neue Carolabrücke ausfallen. Die Visualisierungen sind unter www.dresden.de/carolabruecke einsehbar.
Statements der Planungsbüros zum jeweiligen Entwurf:
FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
„Das Besondere an unserem Entwurf der Carolabrücke 3.0 ist die Neuinterpretation der charakteristischen Bögen der historischen Carolabrücke 1.0 in Verbindung mit der konstruktiven Leichtigkeit und Klarheit der Carolabrücke 2.0. Aus diesen Qualitäten entsteht eine zeitgemäße, leichte und zugleich klassische Brücke für Dresden, die traditionelle Brückenbaukunst mit moderner Ingenieurskunst verbindet. Die Bögen verleihen der Brücke ihre besondere Eleganz und fügen sie selbstverständlich in die Familie der Dresdner Elbbrücken ein. Gleichzeitig prägen sie die Wahrnehmung der Brücke im Dresdner Elbtal und stärken ihre stadträumliche Identität. Die besondere Transparenz der Konstruktion ermöglicht freie Blickbeziehungen auf die Dresdner Altstadt sowie entlang der Elbe. Auch unterhalb der Brücke bleiben die Sichtbeziehungen zwischen den Uferseiten offen und durchlässig. Die Carolabrücke 3.0 ist eine Brücke, die aus dem Ort heraus entwickelt wurde und sich selbstverständlich in die Dresdner Stadtsilhouette einfügt.“
© FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
© FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
© FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
Ingenieurbüro GRASSL GmbH
„Die neue Carolabrücke versteht sich als zeitgenössischer Beitrag zur Dresdner Brückenfamilie: zurückhaltend in der Silhouette, präzise gegliedert und sensibel im Dialog mit Altstadt und Elbraum. Leitmotiv ist die Bogenbrücke als stadtbildprägende Grundfigur, die den Blick auf die Stadtsilhouette freihält und die Querung klar rhythmisiert. Zugleich greift der Entwurf die erste Carolabrücke konstruktiv und gestalterisch auf, indem ihre sechs längsorientierten Bogenebenen in eine innovative semi-integrale Konstruktion übersetzt werden. Die gewünschte Leichtigkeit entsteht heute durch konsequente Transparenz: Offene „Brückenaugen“ über den Pfeilern lassen Stadtraum und Landschaft hindurchscheinen und machen das Bauwerk als luftige, permeable Struktur erfahrbar. Stadtbalkone ergänzen das Tragwerk als bewusst gesetzte Aufenthaltsorte. Aus der Pfeilerarchitektur entwickelt, schaffen sie prägnante Verweilplätze mit Ausblicken auf Altstadt, Neustadt und Elbe und verwandeln die Brücke in einen öffentlichen Stadtraum.“
V1 Perspektive Albertbruecke © Ingenieurbüro GRASSL GmbH
V2 Brückenuntersicht Altstädter Seite © Ingenieurbüro GRASSL GmbH
V3 Stadtbalkon © Ingenieurbüro GRASSL GmbH
Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
„Die neue Carolabrücke ist ein eleganter, zentraler städtebaulicher Baustein im Elbtal vor den Brühlschen Terrassen und Teil der charakteristischen Dresdner Brückenfamilie. Wie die klassischen Dresdner Brücken formt sie Flutbrücken und eine Strombrücke aus. Als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums versteht sie sich nicht nur als Infrastruktur, sondern als neues Stück Stadt. Mit der Carola-Promenade und dem Elbbalkon entstehen öffentliche Räume mit eindrucksvollen Perspektiven auf die Dresdner Altstadt und den Landschaftsraum der Elbe.
Die elegante Silhouette entwickelt sich aus dem Kraftverlauf des Tragwerks und ergänzt die historischen Sichtachsen subtil und zurückhaltend. Durch ihre geringe Höhenentwicklung bewahrt sie die charakteristischen Blickbeziehungen der Stadtsilhouette. Als hybrides Bauwerk aus Spannbeton und Stahl verbindet die neue Carolabrücke – wie ihre Vorgängerbauten – Baukunst, Materialeffizienz und konstruktive Präzision. Flache Bögen, massive Flutbrücken und markante Pfeilerscheiben interpretieren historische Prinzipien zeitgemäß und ergänzen das Dresdner Panorama mit ruhiger Eleganz.“
© Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
© Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
© Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
„Das Besondere an unserem Entwurf ist die Symbiose aus der Formensprache der historischen Königin-Carolabrücke mit ihren schlanken Bögen und der großen Transparenz der Carolabrücke 2.0. Die Silhouette der Altstadt wird durch die weiterhin niedrige Lage der neuen Carolabrücke vollständig respektiert, bisherige Blickbeziehungen bleiben erhalten oder werden sogar verbessert. Gleichzeitig ist es unter den anspruchsvollen Randbedingungen aus der Elbschifffahrt sowie den notwendigen Verkehrsbeziehungen gelungen, optisch die neue Carolabrücke in die Dresdner Familie der Bogenbrücken zurückzuholen. Das gestalterische Leitmotiv einer bogenförmigen Brücke wurde darüber hinaus erweitert um die Funktionalität einer ausgezeichneten Aufenthaltsqualität auf der Brücke in Form eines dem historischen Stadtkern zugewandten Promenadenweges, welcher zum Flanieren einlädt und erstmals direkt den Altstädter und Neustädter Elbraum miteinander verbindet.“
© Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
© Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
Zusätzlich haben die Planungsbüros ihre Entwürfe in kurzen Videos vorgestellt. Die Videos sind ab Mittwoch, 27. Mai 2026, online unter www.dresden.de/carolabruecke zu finden.
Die heutige Sitzung des Begleitgremiums diente zunächst ausschließlich der Vorstellung der Entwürfe. Eine Diskussion oder Bewertung erfolgte noch nicht. Zulässig waren zunächst lediglich Verständnisfragen zu den eingereichten Unterlagen.
Im nächsten Schritt prüfen die Fachämter der Landeshauptstadt Dresden die Entwürfe fachlich. Am Freitag, 5. Juni 2026, tagt das mit externen Fachleuten besetzte Fachexperten-Gremium. Dessen Hinweise und Empfehlung bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit den Vorschlägen – sowohl im Begleitgremium als auch in der Stadtgesellschaft.
Ab Sonnabend, 13. Juni 2026, startet im Rahmen des „Offenen Rathauses“ die öffentliche Ausstellung der Entwürfe in der AGORA des Stadtforums (Erster Stock), Waisenhausstraße 14. Gezeigt werden Visualisierungen und Modelle der vier Entwürfe der Brücke. Die Ausstellung ist bis einschließlich 17. Juli 2026 immer von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 18 Uhr zu sehen.
Quelle: Landeshauptstadt Dresden