Für viele Menschen sind Hunde, Katzen oder Pferde mehr als nur Haustiere – sie gehören zur Familie. Wird das Tier krank oder muss kurzfristig operiert werden, scheuen die meisten Halterinnen und Halter weder Kosten noch Mühen. Gerade bei aufwendigen Behandlungen können jedoch schnell hohe Tierarztkosten entstehen. Viele denken deshalb über den Abschluss einer Tierkrankenversicherung nach. Doch nicht jede Police bietet den Schutz, den Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten.
Tierkrankenversicherung: Lohnt sich die Absicherung gegen hohe Tierarztkosten?. Foto: Magnific
„Tatsächlich unterscheiden sich die Tarife jedoch erheblich hinsichtlich ihres Leistungsumfangs und enthalten oftmals Leistungsgrenzen oder Ausschlüsse“, erklärt Kevin Bauer, Verbraucherberater in Chemnitz.
Seit der Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) Ende 2022 müssen Tierhalter für tierärztliche Behandlungen häufig deutlich höhere Kosten einkalkulieren. Umso wichtiger ist es, Versicherungsangebote sorgfältig zu vergleichen.
Tierkrankenversicherung: Lohnt sich die Absicherung gegen hohe Tierarztkosten? Foto: Magnific
OP-Versicherung oder Vollversicherung?
Grundsätzlich wird zwischen einer Operationskostenversicherung und einer Krankenvollversicherung unterschieden:
Eine OP-Versicherung übernimmt in erster Linie Kosten für chirurgische Eingriffe und die damit verbundenen Behandlungen. Eine Vollversicherung bietet einen umfassenderen Versicherungsschutz und kann zusätzlich ambulante Behandlungen, Diagnostik oder Medikamente umfassen. „Verbraucher sollten sich jedoch nicht darauf verlassen, dass eine Vollversicherung automatisch sämtliche Behandlungskosten übernimmt“, so Bauer. „Je nach Tarif können Selbstbeteiligungen, Erstattungsgrenzen, Wartezeiten oder Leistungsausschlüsse vereinbart sein.“ Auch bestimmte Behandlungen, Medikamente, Vorsorgeleistungen, alternative Heilmethoden oder einzelne Eingriffe können ausgeschlossen oder nur teilweise erstattet werden.
Tierkrankenversicherung: Lohnt sich die Absicherung gegen hohe Tierarztkosten? Foto: Pixabay
Frühzeitig entscheiden
Alter und Gesundheitszustand des Tieres spielen beim Abschluss einer Tierkrankenversicherung eine entscheidende Rolle. Viele Versicherer nehmen nur gesunde Tiere auf oder verlangen für ältere Tiere deutlich höhere Beiträge. Bereits bestehende Erkrankungen sind häufig vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Versicherung oder finanzielle Rücklage?
Eine Tierkrankenversicherung ist nicht für jeden Tierhalter die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Wer regelmäßig Geld für unvorhergesehene Tierarztkosten zurücklegen kann, ist unter Umständen auch so gut abgesichert.
„Wer eine Versicherung abschließen möchte, sollte sich zunächst überlegen, welches Risiko tatsächlich abgesichert werden soll“, empfiehlt Kevin Bauer. „Während manche Tierhalter vor allem hohe Operationskosten absichern möchten, wünschen andere einen möglichst umfassenden Versicherungsschutz. Eine kontinuierlich aufgebaute finanzielle Rücklage kann ebenso eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung sein.“ Vor Vertragsabschluss sollten Verbraucher insbesondere folgende Fragen klären:
- Soll lediglich das Risiko hoher Operationskosten abgesichert werden oder auch ambulante Behandlungen?
- Welche Leistungen sind ausdrücklich ausgeschlossen?
- Welche Selbstbeteiligungen und Erstattungsgrenzen gelten?
- Bis zu welchem Gebührensatz der Gebührenordnung für Tierärzte werden Kosten übernommen?
- Welche Wartezeiten gelten?
- Wie entwickeln sich die Beiträge mit zunehmendem Alter des Tieres?
Tierkrankenversicherung: Lohnt sich die Absicherung gegen hohe Tierarztkosten? Foto: Magnific
Wer Unterstützung bei der Auswahl einer Tierkrankenversicherung oder beim Vergleich von Versicherungsbedingungen benötigt, kann sich an die Verbraucherzentrale Sachsen wenden. Beratungstermine können online oder telefonisch unter 0341 696 2929 vereinbart werden
Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen e. V.