Am Montag ist der sechste Luchs im Rahmen des Projektes »RELynx Sachsen« im Forstbezirk Eibenstock/Westerzgebirge ausgewildert worden. Dabei handelt es sich um den 13 Monate alten Luchs Charlie, wie das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mitteilte. Der Transport und die Auswilderung sind reibungslos verlaufen. Charlie ist der erste Luchs, der auf Basis einer geänderten Strategie im Projekt »RELynx Sachsen« ausgewildert wurde.

Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme  Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme

Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch: »Wir können den Artenschutz nicht isoliert betrachten, sondern müssen ihn immer im Ausgleich mit seinen umgebenden Interessen sehen. Das ursprünglich angelegte Projekt »RELynx Sachsen« war, bezogen auf die Akzeptanz vor Ort und die Finanzen, zu ambitioniert. Mit der geänderten Auswilderungsstrategie werden wir diesem Anspruch besser gerecht: wir strecken das Projekt zeitlich, wir sparen Geld, wir sichern dennoch den Artenschutz für den Luchs. Pragmatisch, einfach und wirksam. Das ist mein Verständnis von einem akzeptierten Artenschutz, der integriert gedacht wird.«

Auswilderungsstrategie wird angepasst

Um einen gelingenden Ausgleich zwischen der Akzeptanz vor Ort, den fachlichen Erfordernissen des Artenschutzes, dem Ressourceneinsatz und dem nach EU-Recht nötigen Schutz des Luchses zu erreichen, wurden neue Eckpunkte für das Auswilderungsprogramm definiert. So wird das Projekt zum einen zeitlich gestreckt. Statt etwa fünf Tiere pro Jahr bis Ende 2027 auszuwildern, werden es bis 2030/2031 nur zwei bis drei Luchse jährlich sein. Die Obergrenze liegt bei 20 Individuen insgesamt. Damit wird einer Überforderung der Region vorgebeugt und gleichzeitig kann die Trittsteinpopulation im Einklang mit wissenschaftlichen Kriterien langsam aufwachsen. Zum anderen wird das Projekt regional begrenzt. Ausgewildert wird nur auf Staatswaldflächen in Eibenstock und Umgebung. Eine aktive Ansiedlung im Osterzgebirge und anderen Regionen Sachsens wird nicht mehr verfolgt. Die Besiedlung anderer Landstriche bleibt damit dem natürlichen Lauf vorbehalten, wird nicht künstlich forciert und gleichzeitig genau beobachtet.

Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme  Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme

Veränderungen wird es auch in der Projektkoordinierung geben. Der bestehende Vertrag mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, vertreten durch das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, läuft Ende 2027 aus und wird über diesen Zeitpunkt hinaus zur Einsparung von Landesmitteln nicht verlängert. Gleiches gilt beispielsweise für Maßnahmen der regionalen Öffentlichkeitsarbeit und der Netzwerkarbeit, die auf das Jahr 2026 begrenzt werden. Ab diesem Zeitpunkt ist vorgesehen, die Finanzierung durch Drittmittel sicherzustellen. Aufgrund der geänderten Auswilderungsstrategie ergibt sich eine Einsparung von annähernd 25 Prozent gegenüber der ursprünglichen Projektkalkulation. Das entspricht mehr als 225.000 Euro.

Von Karlsruhe nach Eibenstock: Das Luchsmännchen Charlie

Das Luchsmännchen Charlie stammt aus dem Zuchtprogramm des Zoos Karlsruhe. Er wurde dort im Juli 2024 geboren und anschließend in einem an den Zoo angrenzenden Koordinierungsgehege menschenfern auf seine Auswilderung vorbereitet. Der Zoo Karlsruhe fokussiert sich auf den Artenschutz und trägt mit der gezielten Zucht dazu bei, die Luchsbestände in Deutschland wiederaufzubauen. Zur Einordnung: Gehegeluchse, die für eine Auswilderung bestimmt sind, werden in einem zooübergreifenden Projekt des Europäischen Zooverbands (EAZA) gezielt gezüchtet. Das Experten-Netzwerk »Linking Lynx« koordiniert unter Berücksichtigung von Eignung, Geschlecht und Genetik die Verteilung der Gehegeluchse an die verschiedenen Auswilderungsprojekte.

Dass das Luchsmännchen die Voraussetzungen für ein Leben in der Wildnis erfüllt, zeigten Verhaltenstests: er ist scheu, meidet Menschen und reagiert nicht auf Hunde. Zudem bestand Charlie alle Gesundheitschecks und bringt wertvolle Gene in die im Aufbau befindliche Luchspopulation ein. In den weitläufigen Wäldern des Westerzgebirges soll sich das Luchsmännchen in den noch kleinen Individuenbestand der zwei sesshaften Luchse Alva und Chapo im Forstbezirk Eibenstock eingliedern. Um Charlies Aktivitäten zu überwachen, trägt er einen Halsbandsender. Die nächsten Monate werden zeigen, wie Charlie den neuen Lebensraum erkundet und ob er sesshaft wird.

Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme  Foto: Archiv Naturschutz LfULG, Ronny Oehme

Fachlicher Hintergrund zu »RElynx Sachsen«

»RELynx Sachsen« ordnet sich in eine deutschlandweite Strategie ein. Mit den Auswilderungen im Erzgebirge leistet der Freistaat Sachsen einen Beitrag, dass Luchse ihre ursprünglichen Lebensräume in Deutschland wieder dauerhaft besiedeln können. Den in Sachsen ausgewilderten Tieren kommt dabei eine besondere Aufgabe zu: Sie sollen zu einer Vernetzung der nach wie vor empfindlichen mitteleuropäischen Luchspopulation beitragen und langfristig vor allem zwischen dem Harz, Bayern und Osteuropa für einen genetischen Austausch sorgen. Auswilderungen des Karpatenluchses finden aktuell in Projekten in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg statt.

einjährige Luchsin Freya

Am Dienstag ist ein weiterer Luchs im Rahmen des Projektes »RELynx Sachsen« im Forstbezirk Eibenstock/Westerzgebirge ausgewildert worden. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden mit. Bei dem Tier handelt es sich um die einjährige Luchsin Freya. Sie wurde im Wildnispark Zürich in einem speziellen Zuchtgehege des Karpatenluchs-Erhaltungsprogramms geboren. Die letzten Monate verbrachte Freya in einem Koordinierungsgehege des Wildkatzendorfs Hütscheroda in Thüringen, in dem sie gezielt auf ein Leben in der »Wildnis« vorbereitet wurde.

Freya hat die vom Expertinnen- und Expertennetzwerk Linking Lynx entwickelten Verhaltenstests erfolgreich bestanden. Sie zeigt eine ausgeprägte Scheu gegenüber Menschen und hat im Gehege gelernt, ganze Wildkörper zu nutzen. Das ist ein wichtiger Schritt für ihre Eigenständigkeit in der Natur.

Die Auswilderung eines weiteren weiblichen Luchses ist ein bedeutender Beitrag zum Aufbau der noch kleinen Population in der Region. Mithilfe ihres Halsbandsenders kann künftig nachvollzogen werden, ob Freya im Forstbezirk Eibenstock auf andere Luchse trifft und wie sie sich in ihrem neuen Lebensraum zurechtfindet.

Quelle: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie