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Gleisbereich auf der Tolkewitzer Straße in Blasewitz  wird für Straßenbahnen auf 150 Meter abmarkiert. 

Voraussichtlich in der Woche vom 28. November bis 2. Dezember 2022 erhält der Gleisbereich auf der Tolkewitzer Straße zwischen Reinhold-Becker-Straße und Kretschmerstraße auf rund 150 Metern eine Sperrmarkierung. Dieser Bereich darf dann nur noch von Straßenbahnen befahren werden, während dem Autoverkehr der Fahrstreifen rechts neben den Gleisen zur Verfügung steht. So kommen die Bahnen schneller voran, stehen weniger im Stau und fahren pünktlicher. Der Auftrag zur Markierung des Gleisbereiches basiert auf einer verkehrsrechtlichen Anordnung der Stadt Dresden. Zusammen mit einem Katalog weiterer so genannter Beschleunigungsmaßnahmen lassen sich im Dresdner ÖPNV kürzere Reisezeiten erzielen und jährlich Kosten in Millionen- höhe sparen. Die Einsparungen sind in der ÖPNV-Finanzierungsvorlage der Stadt Dresden bereits eingepreist und wurden am 28. Oktober 2022 im Rahmen einer Pressekonferenz erläutert.   

Kürzere Fahrzeit und mehr Pünktlichkeit für Linien 6 und 12 ©MeiDresden.de(Symbolfoto)Kürzere Fahrzeit und mehr Pünktlichkeit für Linien 6 und 12 ©MeiDresden.de(Symbolfoto) 

Die vergleichsweise kleine Fahrbahnmarkierung zugunsten der Straßenbahn hat für tausende unserer Fahrgäste eine richtig große Wirkung: Sie kommen spürbar schneller und vor allem pünktlicher ans Ziel. Das wird sich besonders in der bevorstehenden Adventszeit positiv auswirken. Je attraktiver eine Fahrt mit der Straßenbahn ist, desto leichter fällt letztlich der Umstieg vom Auto“, sagt Verkehrsbetriebe-Vorstand Andreas Hemmersbach. Der Schillerplatz ist in seiner heutigen Form ein hochbelasteter Verkehrsknoten. Seit Jahren verlieren hier auch die Straßenbahnen viel wertvolle Zeit. Wenn wir Menschen für eine umweltfreundliche Mobilität gewinnen wollen - und das ist angesichts der längst sichtbaren Klimaveränderungen notwendig -, muss der ÖPNV gegenüber dem Auto bei der Reisegeschwindigkeit aufholen. Natürlich behalten wir das Verkehrsaufkommen am Schillerplatz weiter im Blick und können, wenn nötig, Korrekturen vornehmen“, begründet Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn die Veränderung. 

Freie Bahn zum Schillerplatz
Täglich knapp 32.000 Fahrgäste sind vom Zeitverlust am Schillerplatz betroffen. Sei es, weil sie in einer der wartenden Bahnen sitzen oder weil der Anschluss wegen Verspätung an einer der nachfolgenden Haltestellen nicht mehr klappt. Manchmal ist es eine Minute, in Spitzenzeiten mussten sich die Straßenbahnen der „6“ und „12“ aber auch schon mal 20 Minuten anstellen. Das Verkehrsaufkommen verändert sich laufend. Und das bringt jeden noch so gut justierten Fahrplan durcheinander. Die eigentliche Ursache für die Verspätung ist der Rückstau vor dem Verkehrsknoten Schillerplatz. Dort müssen sich Straßenbahnen hinter wartenden Autos anstellen, die den Gleisbereich als zweite Spur benutzen. Mit der neuen Markierung der Verkehrsfläche bekommen sie nach der Haltestelle „Jüngststraße“ freie Fahrt. Dieser Abschnitt des Gleisbereiches steht dann nur mehr dem umweltfreundlichen Verkehrsmittel zur Verfügung. An Kreuzungen und Einmündungen können Autofahrer weiterhin den Gleisbereich kreuzen. Dort wird die Markierung unterbrochen. Der durchschnittliche Fahrzeitgewinn von rund einer Minute je Bahn und Umlauf stabilisiert den Fahrplan für die Linien 6 und 12 aber spürbar.

Kleiner Aufwand - großes Sparpotenzial
Die Markierung ist Teil eines gemeinsamen Konzeptes von Stadt Dresden und DVB für die Straßenbahnlinien 6 und 12 sowie die Buslinien 64 und 80, das eine Verkürzung der Fahrzeiten ohne großen baulichen Aufwand vorsieht. Neben der Markierung von ÖPNV-Verkehrsflächen oder der Einrichtung neuer Busspuren ist vor allem die Optimierung von Lichtsignalanlagen (LSA) vorgesehen. Rund drei Viertel ihrer gesamten Wartezeit pro Fahrt verlieren Busse und Straßenbahnen heute vor roten Ampeln. Mit den „Beschleunigungen“ aus dem Konzept könnten allein bei den vier Linien fast zwei Millionen Euro pro Jahr Kosten gespart werden, weil durch die kürzere Fahrzeit weniger Busse und Straßenbahnen zur Einhaltung des Fahrplans benötigt werden. Dazu kommen zusätzliche Einnahmen durch neue Fahrgäste, die wegen der schnelleren Verbindung dann in Bus und Bahn umsteigen. Das würde auch die Stadtkasse entlasten, die den ÖPNV zum Teil mitfinanziert.

Kurze Reisezeiten machen ÖPNV attraktiver
Im Jahr 2019 hat der Stadtrat per Beschluss den Klimaschutz zur Aufgabe höchster Priorität in der sächsischen Landeshauptstadt verfügt. Als ein Baustein für die Einhaltung der Vorgaben des Pariser Klimaabkommens soll der ÖPNV gestärkt werden. Gerade bei einem der wichtigsten Entscheidungskriterien für die Verkehrsmittelwahl, der Reisegeschwindigkeit, haben Bus und Bahn in Dresden aber gegenüber dem Auto an Boden verloren. Lagen 2003 alle mit gut 20 Kilometern pro Stunde noch gleichauf, ist das Auto heute mit 25 Kilometern pro Stunde unterwegs, die öffentlichen Verkehrsmittel hingegen mit nur 19. Für das erklärte Ziel der Kommunalpolitik, den Anteil der Nutzer umweltfreundlicher und platzsparender Verkehrsmittel zu erhöhen, muss das System attraktiver werden. Und das geht neben Angebot, Zuverlässigkeit und Preis am besten durch eine kurze Reisezeit.

Quelle: Dresdner Verkehrbetriebe AG