Dresden. IHK-Präsident warnt vor massiven Nachteilen für den Wirtschaftsraum Dresden.

Ein Vergleich der Winterflugpläne 2019 und 2021 am Flughafen Dresden zeigt, dass die wöchentliche Flugfrequenz drastisch sinkt. Dies gilt besonders für die innerdeutschen Verbindungen und die Verbindung nach Zürich. Starteten im Jahr 2019 wöchentlich noch insgesamt 127 Flüge nach Frankfurt, München, Zürich, Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart, werden es nach derzeitigem Plan im Winter 2021 wöchentlich nur noch 65 Flüge sein - ein Rückgang von über 50 Prozent.Dr. Andreas Sperl, Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK), warnt eindringlich vor den Folgen einer solchen Entwicklung:

Droht Dresden die Abkopplung vom internationalen Flugverkehr?  ©MeiDresden.deDroht Dresden die Abkopplung vom internationalen Flugverkehr? ©MeiDresden.de

"Mit dem Silicon Saxony verfügt die Region Dresden über Europas größten Mikroelektronik-/ IKT-Standort. Weitere internationale Branchengrößen haben Dresden in der engeren Auswahl für Standortentscheidungen. Die Region ist außerdem wichtiger Standort der Luftfahrt- und auch der Automobilindustrie und verfügt über eine exzellente und international vernetzte Wissenschaftslandschaft. Sollten die wichtigen Linienverbindungen, insbesondere nach Frankfurt und München, wegfallen, bedroht das nicht nur die Attraktivität dieses herausragenden und im strukturschwachen Ostdeutschland einzigartigen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes, sondern stellt dessen Zukunftsfähigkeit zur Disposition. So klar muss man das aussprechen.

Sundair Flieger am Dresdner Flughafen   Foto: © MeiDresden.deSundair Flieger am Dresdner Flughafen Foto: © MeiDresden.de

Als IHK-Präsident und Dresdner Unternehmer mit vielen internationalen Geschäftskontakten kann ich uneingeschränkt feststellen, dass die Anbindung und die schnelle Erreichbarkeit zentrale Faktoren hinsichtlich des Erweiterungs- und Ansiedlungsverhaltens von Firmen sind. Aufgrund der geographischen Lage kann Dresden eisenbahntechnisch nicht so erschlossen werden, wie etwa Frankfurt, Berlin oder München. Auch bei einer weiteren Optimierung der Bahnanbindung ließe sich die Fahrzeit kaum noch verringern. Mit der Verkehrswende ist zudem mit einer erheblich höheren Trassenbelastung durch Wirtschaftsgüter zu rechen - eine dichtere Taktung des Personenfernverkehrs wird damit kaum möglich sein.

KLM verbindet wieder Dresden mit Amsterdam Foto: © MeiDresden.de/Mike SchillerKLM verbindet wieder Dresden mit Amsterdam Foto: © MeiDresden.de/Mike Schiller

Foto: © MeiDresden.de/Mike SchillerFoto: © MeiDresden.de/Mike Schiller

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Um eine möglich Abkopplung Dresdens abzuwenden, sehe ich zum einen die sächsische Staatsregierung in der Pflicht, sich unverzüglich mit den relevanten Luftverkehrsanbietern zu deren Plänen zu verständigen, um nachhaltigen Schaden vom Freistaat insgesamt und vom Großraum Dresden im Besonderen abzuwenden. Es ist mir bewusst, dass sich Flugkosten für die Anbieter verteuern und dass die regulatorischen Eingriffen auf nationaler oder europäischer Ebene zunehmen, etwa durch den stetig sinkenden CO2-Deckel des EU-Emissionshandels-Systems (EU-ETS).

Droht Dresden die Abkopplung vom internationalen Flugverkehr?  © MeiDresden deDroht Dresden die Abkopplung vom internationalen Flugverkehr? © MeiDresden de

Damit liegt die Verantwortung genauso beim Bundesgesetzgeber, die Folgen solcher Entwicklungen kritisch zu hinterfragen, da es nicht im Sinne unseres Landes sein kann, an Bedeutung als Luftfahrtdrehkreuz zu verlieren. Deshalb muss hart um pragmatische und vor allem schnelle Lösungen gerungen werden. Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, wie sich unseres Wirtschaftsstandort in der Zukunft entwickeln wird."

Quelle: IHK Dresden