Dresden. Seit zehn Wochen ist der Zoo Dresden für Besucher geschlossen. Hinter den Zoo-Toren herrscht dennoch munteres Treiben. Nun stand die Jahresinventur an

Seit zehn Wochen ist der Zoo Dresden für Besucher geschlossen. Hinter den Zoo-Toren herrscht dennoch munteres Treiben. Jungtiere wurden geboren, Gehege umgestaltet und die Planungen für den Bau des neuen Orang-Utan-Hauses weiter vorangetrieben. Zu Jahresbeginn wurde gezählt, gemessen und gewogen. Bei der Tierinventur wurden auch dieses Jahr sämtliche Tierbestände sorgfältig erfasst. Während die Tieranzahl in den meisten der insgesamt acht Reviere gut überschaubar und bekannt ist, sind Maße und Gewichte der Zoobewohner deutlich interessanter, da diese bei vielen Tieren tatsächlich nur einmal jährlich erfasst werden.

 Alle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden  Foto: MeiDresden.deAlle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden Foto: MeiDresden.de

Seit 2. November letzten Jahres ist der Zoo Dresden für Besucher geschlossen. Im Zooalltag gibt es natürlich keinen Stillstand. Jungtiere wurden geboren, Gehege umgestaltet und die Planungen für das aktuelle Bauprojekt „Neubau eines Orang-Utan-Hauses“ gingen weiter zügig voran. Somit startete das Jahr 2021 traditionell mit der obligatorischen und sorgfältigen Erfassung sämtlicher Tierbestände. Die Menge der erfassten Individuen ist mit ca. 1.500 nahezu identisch zum Vorjahr. Bei der Artenvielfalt ist ein Rückgang von vier Arten zu verzeichnen. Dies ist z.B. auf die Abgabe der Wasserschweine und Parmakängurus zurückzuführen. Mit dem Tod des Riesensalamanders endete auch die Haltung dieser beeindruckenden Amphibienart im Zoo Dresden. Zumindest eine völlig neue Tierart möchte der Zoo seinen Besuchern im kommenden Jahr präsentieren.

Alle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden  Foto: MeiDresden.deAlle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden Foto: MeiDresden.de

Noch vor Ostern sollen zwei Löffelhunde nach Dresden kommen. Mit ihren großen Ohren und dem ausdrucksstarken Gesicht sind die in Afrika beheimateten Wildhunde ein attraktiver Neubesatz für die seit Juni verwaiste Anlage der Parmakängurus, welche bereits im Herbst für die neuen Bewohner umgestaltet wurde. Es wurde Sand eingebracht, Gräser gepflanzt und eine Erdhöhle gestaltet. Die tagaktiven Löffelhunde gelten als umgänglich, verspielt und könnten schnell zu Besucherlieblingen werden. Weitere Neuzugänge sind bei den Goralen und Kattas geplant. Geburten werden unter anderem bei den Südlichen Tamanduas und Trampeltieren erwartet.

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Wirtschaftlich betrachtet war das Jahr 2020 natürlich alles andere als zufriedenstellend. Aufgrund der pandemiebedingten Schließungen im Frühjahr und zum Jahresende sowie einer vorläufigen Besucherzahlreglementierung mit reduzierten Eintrittspreisen und strengen Hygienevorschriften nach Wiedereröffnung im Mai vermeldete der Zoo zum Jahresende knapp 1 Mio. Euro weniger Einnahmen als geplant.

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 627.403 Gäste begrüßt werden, knapp 30 % weniger als im Vorjahr. Zoodirektor Karl-Heinz Ukena zieht trotzdem eine positive Bilanz. „Natürlich sind die Besucherzahlen nicht mit denen der Vorjahre zu vergleichen. Jedoch sind es noch immer mehr als 600.000 Gäste, die wir im vergangenen Jahr begrüßen durften und die dem Zoo die Treue gehalten haben. Eine Zahl, die mich sehr stolz macht, da sie zeigt, wie sehr sich die Dresdner mit ihrem Zoo verbunden fühlen. Mit der Stadt Dresden haben wir zudem einen starken Gesellschafter, der uns bezuschusst, so dass die laufenden Kosten gedeckt sind. Die Versorgung unserer Tiere und Absicherung aller Arbeitsplätze war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Dafür sind wir sehr dankbar und blicken zuversichtlich in das kommende Jahr.“ Ein Jahr, in welchem die Besucher dann auch endlich die fertig gestellte begehbare Flamingovoliere für sich entdecken können.

Die Planungen für das neue Orang-Utan-Haus gingen im Krisenjahr 2020 ebenfalls weiter voran. Der Zoodirektor bestätigte erneut, dass man im Zoo am geplanten Baustart im Sommer diesen Jahres festhält. Mit einer Bausumme von 17 Mio. Euro wird das neue Orang-Utan Haus das größte Bauprojekt in der Geschichte des Zoo Dresden werden. Ein Investitionszuschuss seitens der Stadt ist aufgrund der aktuellen Lage nicht wahrscheinlich. Deswegen soll ein Kredit in Höhe von 12 Mio. Euro aufgenommen werden. Die Differenz von 5 Mio. Euro soll zum einen aus Eigenmitteln und durch Spenden des Zoofreunde Dresden e.V. in Höhe von 500.000 Euro sowie durch Spenden finanziert werden. Insgesamt zehn Prozent der Bausumme - also 1,7 Mio. Euro - werden an Spendengelder benötigt.

Aber auch hier ist Karl-Heinz Ukena zuversichtlich: „Bis Ende Dezember haben uns Dresdnerinnen und Dresdner sowie Zoo-verbundene Menschen aus ganz Deutschland mit über 126.000 Euro Spenden bedacht. Dies stimmt uns optimistisch, dass unser neues Haus bald Realität werden kann.“

Alle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden - Karl-Heinz Ukena    Foto: MeiDresden.deAlle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden - Karl-Heinz Ukena Foto: MeiDresden.de

Bereits für den Sommer ist die Fertigstellung der Erweiterung der Elefanten-Außenanlage geplant, wofür knapp 700.000 Euro Baukosten kalkuliert wurden. Für den Artenschutz wird sich der Zoo Dresden ebenfalls weiter engagieren. Mit Hilfe des freiwilligen Artenschutzeuro konnten im vergangenen Jahr 230.000 Euro eingenommen werden, über deren Verwendung nun im Detail beraten wird.

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Beim heutigen Pressetermin anlässlich der alljährlichen Inventur wurde unser Trampeltiernachwuchs Colin (*15.03.2020) vermessen. Die Rückenhöhe vom 160 cm wurde zwischen den beiden Höckern gemessen. Im Laufe des Jahres wird Colin den Zoo Richtung Frankreich verlassen, wofür unter anderem das Training mit den Zoospaziergängen dient. Am Tag des Transports kann er dann ruhig und sicher in den Transporthänger geführt werden. Vermessen wurde Colin dabei durch Tierpfleger Kevin Leuchter (24 J.) und Zooinspektor Helmar Pohle (52 J.).

Alle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden  Foto: MeiDresden.deAlle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden Foto: MeiDresden.de

Anschließend wurden die Zebramangusten in ihrem Gehege mit Mehlwürmern gefüttert und durch die Tierpflegerin Annka Lewertoff (26 J.) gezählt. Dabei wurden insgesamt 30 Zebramangusten erfasst. Das Jahr 2020 war dabei besonders erfolgreich mit der Nachzucht und wir hatten mehrfach größere Würfe. Insgesamt gab es 21-mal Nachwuchs, wobei natürlicherweise nicht alle Jungtiere eines großen Wurfs erfolgreich aufgezogen worden. Anders als bei den naheverwandten Erdmännchen leben Zebramangusten promiskuitiv, so dass mehrere Weibchen gleichzeitig Würfe zur Welt bringen können. Um die Gruppe nicht zu groß werden zu lassen und das natürliche Abwandern zu simulieren, werden Tiere auch immer wieder an andere Halter vermittelt.

Alle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden  Foto: Screen Zoo DDAlle noch da? – Jahresinventur im Zoo Dresden Foto: Screen Zoo DD

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Als dritte Station des heutigen Pressetermins wurden unsere Ursons oder nordamerikanischen Baumstachler besucht. Hier hat Frau Lewertoff unseren männlichen Urson Howard mittels Futter auf die Waage gelockt. Auch wenn Howard nicht 100% stillhielt, konnten wir knapp 10 kg festhalten – ein gutes Gewicht für diese große Nagetierart. Nach dem Biber sind Ursons die größten und schwersten Nagetiere Nordamerikas. Auch hier hoffen wir dieses Jahr auf Nachwuchs. Zwar hatten Howard und Weibchen Bernadette bereits ein Jungtier in der Vergangenheit, allerdings verstarb dieses nach zwei Tagen.

Quelle: Zoo Dresden

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