Das Pumpspeicherwerk (PSW) Niederwartha hat keine Zukunft in Dresdens Energieinfrastruktur. Das hat die Expertenanhörung zur künftigen Nutzung des PSW Anfang März 2026 nochmals deutlich gemacht. Laut der Expertem wäre eine Wiederaufnahme des Betriebs als Stromspeicher wirtschaftlich unverantwortlich und in einem hohen Maß ineffizient. In den vergangenen Jahren hatte die SachsenEnergie alle in Frage kommenden Optionen für die betriebliche Nachnutzung des Speichers von Vattenfall bereits intensiv geprüft. Dazu gehörten eine mögliche Sanierung der Anlagentechnik und der Bauwerke sowie die Prüfung der beiden Optionen Instandsetzung oder Neubau. Unter Beachtung des Denkmalschutzes müssten über 245 Millionen Euro aufgebracht werden für einen vergleichsweise ineffizienten Speicher mit geringem Wirkungsgrad. Ebenso bestätigten die Fachexperten aus Wissenschaft und Wirtschaft, dass moderne Batteriespeicher technisch grundsätzlich für die Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Quellen besser geeignet sind.  

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Axel Pechstein, Leiter des Bereichs Kraft und Wärme bei SachsenEnergie: „So bedauerlich es ist, ein bestehendes Pumpspeicherwerk weder erhalten noch wirtschaftlich ertüchtigen zu können: Eine Wiederaufnahme des Betriebs würde unter den aktuellen Rahmenbedingungen keinen verantwortungsvollen Einsatz der Mittel unserer Kunden und Anteilseigner darstellen – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten technologischen Entwicklungen.“

Das Urteil der Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft ist klar: Das Pumpspeicherwerk hat in seiner ursprünglichen Aufgabe keine Zukunft mehr. Stattdessen richtet sich der Blick in die Zukunft und ein Nachnutzungskonzept für die Anlage.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Als Landeshauptstadt Dresden legen wir unseren Fokus auf den Erhalt des Stauseebads Cossebaude als Badestelle im Dresdner Westen und begleitend die Sanierung des Lotzebachstollens und den Hochwasserschutz vor Ort.“

Geringerer Wirkungsgrad und höhere Kosten für alte Technologien

Besonders nachteilig ist die die topografische Lage des über 90-jährigen Standorts: die Fallhöhe des Wassers beträgt nur 140 Meter und gleichzeitig sind die Triebwasserleitungen mit 1,8 Kilometern sehr lang. Dieses ungünstige Verhältnis von geringer Fallhöhe und langer Triebwasserleitung vermindert den Wirkungsgrad der Anlage massiv, auch bei Einsatzmodernster Maschinentechnik. Während der Wirkungsgrad eines modernen Batteriespeichers bei 90 Prozent liegt, erreicht das PSW Niederwartha nur 70 Prozent. Dementgegen steht der hohe finanzielle Aufwand: Die Ertüchtigung oder der Neubau des PSW Niederwartha würde das Doppelte von dem kosten, was für den Bau eines neues Batteriespeichers mit modernen Technologien nötig wäre.

Gegen den Weiterbetrieb des PSW spricht auch die Hochwassergefahr im Überschwemmungsgebiet, die einen sicheren Netzbetrieb unmöglich macht. 2002 wurden die Anlage und das nahegelegene Umspannwerk beim Elbehochwasser stark beschädigt. Auch deshalb wurde diese Anbindung an das Höchstspannungsnetz inzwischen zurückgebaut.

Neben der Baukosten- und Wirkungsgradnachteile besteht außerdem eine generelle wirtschaftliche Benachteiligung und Beeinträchtigung von Pumpspeicherwerken in Deutschland durch die Doppelbelastung mit Steuern, Abgaben und hohen Netzentgelten. Das erhöht zusätzlich die Gesamtkosten im Vergleich zum Batteriespeicher.

Hintergrund zum PSW Niederwartha

Das PSW Niederwartha ist in Besitz des schwedischen Energieversorgers Vattenfall und wurde 1929 in Betrieb genommen. Im Frühjahr 2024 hat Vattenfall das PSW Niederwartha offiziell stillgelegt. Der schwedische Energieversorger ist weiterhin der Eigentümer.


Wirtschaftlicher Betrieb ist die Verantwortung als kommunales Unternehmen

Grundsätzlich setzt sich SachsenEnergie für flexible Speicherlösungen ein. Ein robustes Energiesystem wird auch künftig nur im Zusammenspiel konventioneller Erzeugungsanlagen, erneuerbarer Energien und leistungsfähiger Speicher funktionieren. Vor diesem Hintergrund hat SachsenEnergie ihren Anlagenpark in den vergangenen Jahren konsequent flexibilisiert und diversifiziert. Der derzeit in Planung befindliche zusätzliche Heißwasser-Großwärmespeicher wird diese Entwicklung weiter unterstützen. Durch die Kopplung von Strom- und Wärmeproduktion sowie den zunehmenden Einsatz dekarbonisierter Wärmequellen entsteht für Dresden ein hochflexibles, resilient ausgelegtes Gesamtsystem.

Als kommunales Versorgungsunternehmen trägt SachsenEnergie jedoch ebenso die Verantwortung, Versorgungssicherheit zu wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen zu gewährleisten. Unter den aktuellen technischen und wirtschaftlichen Rahmenparametern erfüllt das Pumpspeicherwerk Niederwartha diese Anforderungen nicht.

Quelle: SachsenEnergie