An den nächsten Sonntagen laden wir Sie zu einer sehr persönlichen und emotionalen Serie bei MeiDresden.de ein.

Liebe Leser,

ganz Deutschland begeht heute den Totensonntag. Er ist ein evangelischer Feiertag und geht zurück König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Der trauerte im November 1816 um seine verstorbene Frau und die vielen gefallenen Soldaten, die er im Krieg gegen Napoleon verloren hatte. Aus diesem Grund rief er den Totensonntag aus.

Dieser ist bis heute ein fester Bestandteil des christlichen Kirchenjahres. Er fällt traditionell auf den letzten Sonntag im November und geht mit einem Tanzverbot einher, was bundesweit Gültigkeit hat. Auch Märkte und Geschäfte bleiben geschlossen. Auf Feiern und öffentliche Veranstaltungen soll ebenfalls verzichtet werden. Der Totensonntag ist ein stiller Feiertag. In Gottesdiensten werden die Namen von Verstorbenen vorgelesen und im Gebet an sie erinnert.

Eine ganz besondere Zeit - Weihnachten während der Pandemie!     Foto: Myriams-Fotos/PixabayEine ganz besondere Zeit - Weihnachten während der Pandemie! Foto: Myriams-Fotos/Pixabay

Wirkte der Totensonntag in den letzten Jahren oftmals altbacken und überholt, so erscheint er 2020 in einem ganz besonderen Licht. Er bekommt eine traurige Bedeutung, denn viele Bürger unseres Landes haben in den vergangenen Monaten einen geliebten Menschen an Corona verloren. Die Pandemie hat eigenschlagen und ihre Spuren hinterlassen. Die Angst vor dem Tod ist urplötzlich allgegenwärtig geworden. Sie verbindet sich mit dem furchtbaren Gefühl der Unwissenheit und der Unsicherheit. Nie war ein Totensonntag toter und stiller als heute. Das Leben muss sich harten und massiven Beschränkungen beugen. Die Liebsten, „ einfach mal eben zu besuchen“, ist nicht mehr möglich und so mancher fragt sich: „Wohin soll all das noch führen?“.

Wir erleben eine dunkle und schwarze Zeit. Sie trifft nicht nur Sie, unsere geschätzten Leser, nein auch uns selbst. Es gibt nur wenige Momente, in denen unser Chef, Mike Schiller, ganz ruhig und sehr ergriffen wird. Es ist immer dann der Fall, wenn das Thema auf seine Mutter fällt. Die wohnt im Erzgebirge und ist eine wunderbare, alte Dame. Spricht er von ihr, hat er ein Lächeln im Gesicht. Natürlich ist es sein Plan, sie an Weihnachten zu besuchen. Gemeinsam essen, festliche Musik hören, das „Oh, du fröhliche“ anstimmen und sich ganz fest in den Arm nehmen. All die Jahre war es möglich und all die Jahre, hat er und haben wir, es für ganz selbstverständlich genommen. Vielleicht fanden wir es teilweise sogar nervig und anstrengend, die buckelige Verwandtschaft zu beköstigen und ertragen zu müssen. Das, was man immer haben kann, es wird irgendwann einfach selbstverständlich und verliert damit massiv an seinem Wert.

Aber 2020?

Dieses Jahr zeigt uns massiv unsere eigenen Grenzen. Wir werden einen Dezember erleben, der anders sein wird, als alles, was wir kennen und kannten. Es gibt keinen Striezelmarkt. Die Freude auf das Fest hält sich in Grenzen. Wie wird es sein, sollten Besuche einer Ausgangssperre weichen? Wie werden unsere Alten in den Heimen all das erleben? Was macht die Pandemie mit unseren Kindern? Wir werden für Sie darüber berichten, und zwar jeden Sonntag, in einer einzigartigen Serie, die uns vielleicht auch noch Jahre später daran erinnert, wie kostbar ein jeder unserer Lieben ist und welch ein Glück wir haben, mit ihnen gemeinsam ein wunderbares Weihnachtsfest zu feiern.

In dieser Woche schrieb eine Leserin, es sei sinnvoll, die traditionellen Elemente unseres Striezelmarktes wieder zu entfernen. Sie würden einem doch die Seele nur noch schwerer machen. Als Journalisten sind wir der Sachlichkeit verpflichtet. Wir sagen Ihnen nicht, wen Sie wählen sollen oder wen nicht. Das hatten wir im Osten viel zu lange und in Deutschland auch schon. Darauf gibt es von uns nur ein Wort, nämlich nie wieder. Als Menschen aber, da wünschen wir Ihnen, dass sie gesund bleiben und sich von Corona nicht auch noch das Weihnachtsfest nehmen lassen. Ein jedes Licht zählt. Bauen Sie nach diesem Sonntag die Krippe auf, lassen sie die Pyramiden kreisen und genießen Sie den Duft alter Räuchermänner. Der Advent kommt, auch zu Zeiten von Corona. Wir sind es unseren Kindern und uns selbst schuldig, ihn zu feiern.

Gönnen wir uns alle an diesem Sonntag einen Moment der Stille. Sie tut uns gut und macht uns deutlich, was wirklich zählt, ganz besonders in diesem Jahr.

Ihre MeiDresden Redaktion