Dresden. In Dresden, mitten auf dem Pirnaischen Platz, wird das Kunstprojekt „Standbein – Spielbein“ umgesetzt. Zwei hohe Lampen sind einmal Rot und Grün angemahlt.

Dresden. In Dresden, mitten auf dem Pirnaischen Platz, wird das Kunstprojekt „Standbein – Spielbein“ umgesetzt. Am besagten Platzwird die vorhandene 15 Meter hohe Lampe Rot angestrichen. Eine weitere Lampe kommt hinzu. Das ist das neueste Kunstprojekt der Stadt und es wird wieder für viel Gesprächsstoff sorgen.

Neues Kunstprojekt ab 2022 am Pirnaischen Platz  Foto: Landeshauptstadt DresdenNeues Kunstprojekt ab 2022 am Pirnaischen Platz Foto: Landeshauptstadt Dresden

Für die Realisierung der künstlerischen Arbeit werden 130.000 Euro durch die Kunstkommission zur Verfügung gestellt. Die Realisierung ist für 2022 geplant. Alle Entwürfe sind vom 2. bis 18. Juli im Stadtmuseum Dresden zu sehen. Die Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum hat sich im September 2020 für die Durchführung des Wettbewerbes im Planungsbereich Promenadenring Ost ausgesprochen. Sie vertrat dabei die Auffassung, dass der Bereich des Pirnaischen Platzes aufgrund seiner exponierten Lage und stadträumlichen Bedeutung in der Gesamtkonzeption des Promenadenrings besondere Beachtung verdient, der durch die Integration einer markanten künstlerischen Arbeit Rechnung getragen werden sollte.

Neues Kunstprojekt ab 2022 am Pirnaischen Platz   Foto: © MeiDresden.de/Mike SchillerNeues Kunstprojekt ab 2022 am Pirnaischen Platz Foto: © MeiDresden.de/Mike Schiller

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:
„Der künstlerische Entwurf „Standbein – Spielbein“ überzeugt das Preisgericht, weil es sich um ein in besonderem Maße gelungenes, sichtbares Zeichen im Stadtraum handelt. Die künstlerische Sprache wird als eigenständig, stark und selbstbewusst wahrgenommen. Das Kunstwerk ist eine dem Ort außerordentlich angemessene, skulptural ausgeprägte und konzeptuelle Setzung. Der klar definierte Standort nimmt Bezug auf die beiden Hauptsichtachsen des Platzes. Die Farbgebung in Rot und Grün ist komplementär und ermöglicht einen assoziativen Bezug zum Platz als Verkehrsraum und seinen Signalzeichen.

Erläuterung zum Entwurf: Standbein-Spielbein

Die Bebauung des Pirnaischen Platzes aus der Gründerzeit und DDR Ostmoderne spiegelt bereits die vielfältige Geschichte des Ortes. Der vorliegende Entwurf versucht den urbanen Transitraum mit seiner „programmatischen Weite sozialistischer Verkehrsplanung“ in einer Art „skulpturaler Akupunktur“ zu aktivieren und in ein spannungsvolles Verhältnis von Geschichte und Gegenwart zu setzten.

Die vorgefundene Situation mit der 15 m hohen, befindlichen Straßenleuchte (Modell: SiStellar Maxi der Firma Siteco) bildet den Ausgangspunkt des Entwurfs. Die sachliche, an den Bauhausgedanken angelehnte und aus der DDR Zeit stammende Leuchte wird mit einem leuchtend roten Anstrich versehen. Die Leuchte erhält mit ihrer neuen Farbfassung ein Alleinstellungsmerkmal, dass sie von den anderen „Beleuchter-Kollegen“ abhebt. Ihr gegenübergestellt wird eine modifizierte Version einer historischen Lampe auf den Brühlschen Terrassen (Modell: Kandelaber, Alte Oper der Fa.Trapp) in konträrem Grün. Die ursprünglich nur 4 m hohe Straßenleuchte (Mastaufsatzleuchte historisch) ist durch Manipulation im Computer auf exakt dieselbe Höhe wie die DDR Lampe gebracht worden. Die Streckung der Lampe bei Beibehaltung des ursprünglichen Durchmessers hat eine stark modifizierte Form mit fast gotischen Zügen zur Folge. Die in konträren Farbe gehaltenen Leuchten fassen die Gleise zu beiden Seiten ein und bilden eine klassische Torsituation, die dem ehemaligen Pirnaischen Stadttor auf ungewöhnliche Weise Reminiszenz erweist.

Ein befindlicher „Nebendarsteller“ des Pirnaischen Platzes wird in ein neues farbliches Gewand gehüllt und erhält eine zierliche Begleitung auf Augenhöhe. Das schlanke, aber gleichzeitig monumentale Paar bildet ein neues, ungewöhnliches Stadttor, das den riesigen Platz auf subtile, aber nachhaltige Weise zu prägen vermag. Dies geschieht höchst effizient durch die ökonomische Einverleibung der vorgefundenen städtebaulichen Situation, die die Bühne bereitstellt, auf der in
unerwarteter Weise dialogische Fragen zur Geschichte und Gegenwart von Dresden verhandelt werden. Historisches Versatzstück trifft auf monumentale DDR Moderne, funktionales Design auf computermanipulierte Verzierung. Barock verkleidet sich als (high-tech) Gotik, um dem Funktionalismus ins Auge sehen zu können. Die Vergangenheit „schließt“ zur Gegenwart auf, gleich einem Kind, das sich streckt und auf die Zehenspitzen stellt, um die Körpergröße der Eltern zu erreichen.

Der Entwurf stellt eine unerwartete Unterbrechung der alltäglichen Wahrnehmung des von ständiger Bewegung geprägten Platzes dar. Er ist mit dem Standbein fest in der vorgefundenen städtebaulichen Situation verankert, und bildet mit dem Spielbein augenzwinkernd ein neues, metaphorisches Stadttor. Beide Akteure sind so (auch wörtlich in ihrer Funktion als Beleuchter) in der Lage, unterschiedlichste Aspekte des Ortes und seiner bewegten Geschichte ans „Licht“ zu bringen.

Quelle: Landeshauptstadt Dresden